BioTurf – Nachhaltigkeit auf dem Fußballfeld

Nachhaltigkeit als Schwerpunktthema des HSZ

Als größter Sportanbieter der Städteregion Aachen trägt das HSZ eine besondere Verantwortung und möchte diese Verantwortung nutzen, um viele Menschen auf Nachhaltigkeit aufmerksam zu machen. Nachhaltigkeit ist beim HSZ schon seit längerer Zeit ein tief verankertes Thema. Das HSZ ist immer daran interessiert, Projekte zu unterstützen, die dazu beitragen, den Sport- und Eventbetrieb nachhaltiger zu gestalten. In der Soccerbox auf der Sportanlage Königshügel läuft seit 2023 ein Reallabor, in dem ein nachhaltiges Kunstrasensystem getestet wird.

Umweltprobleme durch herkömmlichen Kunstrasen

Auf Sportflächen wird immer häufiger Kunstrasen als Boden genutzt. Kunstrasen bietet gegenüber Naturrasen zahlreiche Vorteile: So ist diese Oberfläche wesentlich pflegeleichter und kann dadurch intensiver genutzt werden. Mit der Nutzung von herkömmlichen Kunstrasen gehen jedoch einige Probleme einher. Herkömmlicher Kunstrasen wird aus erdölbasiertem Polyesterfasern hergestellt, die mit Sand und Kunststoffgranulat aufgefüllt werden. Dieser mehrschichtige Aufbau macht die Entsorgung und das Recycling sehr problematisch. Da die Deponierung von gebrauchten Kunstrasen in Deutschland verboten ist, werden die Kunststoffanteile meist in Müllverbrennungsanlagen entsorgt oder im Ausland deponiert. Aus dem Kunststoffgranulat ergibt sich zusätzlich das Risiko, dass durch Wettereinflüsse Mikroplastik in die Umwelt gelangt, welches dort nicht abbaubar ist. Aufgrund dieser Umweltrisiken wurde die Nutzung von Kunststoffgranulat in Kunstrasen ab 2031 europaweit verboten. Diese Regelung stellt Städte, Gemeinden und andere Stakeholder, die für den Bau und Unterhalt von Kunstrasenflächen verantwortlich sind vor große organisatorische und finanzielle Herausforderungen.

Ein Stück vom Hallenboden wird in die Luft gehalten Urheberrecht: © HSZ

BioTurf als nachhaltige Alternative

Das innovative Kunstrasensystem BioTurf soll eine Lösung für diese Herausforderung bieten. BioTurf ist 100% recycelbar. Die Materialien zur Herstellung werden aus Rapsöl und landwirtschaftlichen Abfällen gewonnen. Zur Stabilisierung wird eine Recyclingfolie verwendet, die aus recycelten Altkunstrasenplätzen besteht. Es wird kein weiteres Füllmaterial benötigt. Im Sinne der Kreislaufwirtschaft ist das Ziel des Projekts aus recycelten BioTurf-Kunstrasenplätzen gleichwertige neue Kunstrasenplätze zu fertigen. Durch die Verwendung von Recyclingmaterialien wird für das Jahr 2025 bei der Nutzung von BioTurf eine Einsparung von 38.685 Tonnen CO2 prognostiziert. Entwickelt wurde BioTurf in dem Innovationsraum BIOTEXFUTURE des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Dort wird an nachhaltigen biobasierten Alternativen zu erdölbasierten Textilien geforscht. BioTurf wurde dabei von dem Institut für Bodensysteme (TFI) und dem Institut für Textiltechnik und Lehrstuhl Textilmaschinenbau (ITA) der RWTH entwickelt.

Reallabor in der Soccerbox des HSZ

In der Soccerbox des Hochschulsportzentrums läuft aktuell eines der ersten Reallabore in denen BioTurf getestet wird. Auf den Kleinfeldfußballfeldern wurde bereits Ende 2023 BioTurf als Bodensystem verlegt und kann dort jetzt bespielt werden. Nach Abschluss dieser Testphase wird das Bodensystem aus der Soccerbox recycelt, um die beispielhaft die Prozesskette im Sinne der Kreislaufwirtschaft zu durchlaufen. Aus diesem Reallabor werden wertvolle Erkenntnisse gewonnen, die dann zu einer Weiterentwicklung von BioTurf genutzt werden.

Studioaufnahme des Prototypen Urheberrecht: © HSZ